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Regionale Sortimentskaufkraft

von Benjamin Beloch (Kommentare: 0)

Fünf Sortimentsgruppen verbuchen drei Viertel der deutschen Einzelhandelskaufkraft

Gut 40 Prozent der Einzelhandelskaufkraft der Deutschen fließen in Nahrungs- und Genussmittel. Zwischen knapp 8 und 11 Prozent stehen für Baumarktartikel, Einrichtungsbedarf, Gesundheit- und Pflegeartikel sowie Bekleidung zur Verfügung. Die Anteile und Kaufkraftpotenziale der Sortimente unterscheiden sich je nach Region allerdings erheblich, wie die neue GfK Studie zur Sortimentskaufkraft zeigt.

Im Jahr 2015 besitzen die Deutschen laut GfK eine durchschnittliche Einzelhandelskaufkraft von 5.692 Euro pro Kopf. Die Kaufkraft misst das durchschnittliche, verfügbare Ausgabepotenzial am Wohnort der Konsumenten und umfasst sortimentsbezogene Potenziale für den stationären Handel wie auch den Onlinehandel.

Die Einzelhandelskaufkraft wird in der neuen GfK Studie zur regionalen Sortimentskaufkraft 2015 für 17 Sortimentsgruppen und rund 60 Sortimente aufgeschlüsselt. Dabei vereinen die Top fünf Sortimentsobergruppen schon mehr als 75 Prozent der Einzelhandelskaufkraft. Die anderen 12 Obergruppen teilen sich das restliche Viertel der Einzelhandelskaufkraft:

Quelle: GfK Sortimentskaufkraft Deutschland 2015
Sortiment Sortimentskaufkraft pro
Einwohner in 2015
Anteil in %
Food 2.324 40,8
Baumarktsortimente 623 10,9
Einrichtungsbedarf 458 8,0
Gesundheit, Pflege 452 7,9
Bekleidung 446 7,8
Bücher, Schreibwaren 241 4,2
Elektrohaushaltsgeräte 188 3,3
Unterhaltungselektronik, elektronische Medien 180 3,2
Informationstechnologie 116 2,0
Spielwaren, Hobbys 113 2,0
Foto, Optik 113 2,0
Schuhe, Lederwaren 110 1,9
Sportbedarf, Camping 108 1,9
Hausrat 83 1,5
Uhren, Schmuck 74 1,3
Telekommunikation 46 0,8
Baby-, Kinderartikel 16 0,3

Wenn es um Grundbedürfnisse geht wie Essen, Trinken, Gesundheit, Bekleidung und Wohnen – letzteres ist zumindest für Deutsche offensichtlich ebenfalls Grundbedarf – sollte man meinen, sei die Kaufkraft und damit das Potenzial gleich verteilt. Wie die Studie zeigt, ist dem allerdings nicht so.

Regionales Potenzial für Baumarktsortimente

Mit einem durchschnittlichen Kaufkraftpotenzial von 623 Euro pro Kopf haben Baumarktsortimente eine besondere Stellung im deutschen Einzelhandel. Fast 11 Prozent der Einzelhandelskaufkraft fließen im deutschen Durchschnitt in typische Baumarktsortimente wie Garten, Autozubehör, Tierbedarf und Ähnliches.

Spitzenreiter ist der Landkreis Starnberg mit einer Baumarktkaufkraft von 813 Euro pro Kopf. Am anderen Ende des Kreisrankings liegt der Stadtkreis Gelsenkirchen mit nur 436 Euro. Die Spanne reicht somit von 30 Prozent über dem Bundesdurchschnitt in Starnberg bis 30 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt in Gelsenkirchen. Genau im Bundesdurchschnitt liegen die Bewohner des Landkreis Lörrach in Baden-Württemberg.

Essen in Hessen

Der Blick in die detaillierten Sortimentsdaten fördert Besonderheiten in den Konsumpräferenzen der Bundesländer zutage:
Die Hessen haben im Bundeslandvergleich die höchste Kaufkraft für Fleisch: Mit 157 € pro Kopf liegen sie rund 6 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Ausgerechnet die Kaufkraft für Wurstwaren liegt trotz der „Frankfurter“ nur knapp 2,4 Prozent über dem deutschen Durchschnitt. Ganz anders die Bayern, deren Kaufkraft für Wurstwaren 11,2 Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegt.

Auffällig unauffällig bleiben die Hessen auch bei der Kaufkraft für Bier. Diese liegt in Hessen sogar rund 9,5 Prozent unter dem deutschen Durchschnitt.

Rang Eins verbuchen die Hessen wiederum bei der Kaufkraft für Wein. Mit 115 Euro pro Kopf und 25 Prozent über dem deutschen Durchschnitt liegen sie deutlich vor allen anderen Bundesländern. Die Kaufkraft für "Apfelwein" wurde nicht separat untersucht.

Zur Studie

Die Studie "GfK Sortimentskaufkraft 2015" basiert auf unterschiedlichen Erhebungen und Analysen des Einkaufsverhaltens von Verbrauchern im Einzelhandel. Darunter sind auch Daten der GfK-Verbraucherpanels, die anonymisiert die Ausgaben einer repräsentativen Stichprobe von rund 30.000 Haushalten in Deutschland erfassen. Auf Basis dieser Verbraucherinformationen kann der Bereich Geomarketing von GfK über soziodemografische Abgleiche und geostatistische Modellierungen eine regionale, sortimentsbezogene Kaufkraft für rund 60 Sortimente ausweisen. Darüber hinaus ist die Berechnung händlerspezifischer regionaler Absatzpotenziale für mehr als 200 Sortimentsgruppen möglich.
Die Daten liegen flächendeckend für alle administrativen und postalischen Gebietseinheiten vor – von den Bundesländern über Kreise und Gemeinden bis hin zu 5-stelligen Postleitzahlen und Straßenabschnitten. Für verschiedene europäische Länder sind ebenfalls Studien zur Sortimentskaufkraft verfügbar.

Die Kaufkraft wird als nominaler, das heißt nicht inflationsbereinigter, Prognosewert ausgewiesen. Sie bezieht sich auf den Wohnort, nicht auf den Einkaufsort. Die Daten stellen Durchschnittswerte für alle Einwohner einer Region dar. Rückschlüsse auf die Vermögenswerte von Einzelpersonen sind daher falsch.

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